Welche Linux-Distributionen sind Y2K38-ready? – Im Kern!

Der Linux Pinguin als Engel dargestellt auf einem Notebook Bildschirm

Der Countdown zur Y2K38-Epochalypse

Im Jahr 2038 droht die Y2K38-Epochalypse, auch bekannt als y2k38 oder Unix Millennium Bug. Dieser Fehler kann Systeme zum Absturz bringen oder zu unvorhersehbarem Verhalten führen. Rechner springen plötzlich ins Jahr 1901 zurück. Auch Linux-Distributionen sind betroffen – sie verwenden, wie alle Unix-basierten Systeme, die Unix-Zeit. In diesem Blog geht es darum, welche Linux-Distributionen im Kern – also im Kernel – Y2K38-ready sind.

2020: BEOZ wird gegründet, der Linux Kernel wird Y2K38-ready

Unser Verein BEOZ Association wurde 2020 gegründet, um das Jahr-2038-Problem in all seinen Facetten im Blick zu behalten. Zu diesem Zeitpunkt lief die Arbeit am Y2K38-Fix im Linux-Kernel schon seit mehreren Jahren: Arnd Bergmann hatte das Projekt bei Linaro bereits um 2014 gestartet, um alle relevanten Systemaufrufe und internen Strukturen von 32-Bit- auf 64-Bit-Zeitwerte umzustellen.

2020 war jedoch ein entscheidendes Jahr: Im März erschien mit Kernel 5.6 die erste Version, die im Prinzip vollständig time64-fähig war. Im Dezember folgte mit Kernel 5.10 der erste „praktisch vollständige“ Kernel ohne bekannte Y2K38-Bugs auf 32-Bit-Architekturen. Genau in dieser Phase begann BEOZ, die Übernahme dieser Kernel-Versionen in den Distributionen systematisch zu beobachten.

Vom Kernel in die Linux Distributionen

Mit Kernel 5.10 war die Grundlage geschaffen, dass Linux-Systeme auf 32-Bit-Architekturen den 2038 Bug im Kern nicht mehr fürchten müssen. Doch damit war das Problem nicht automatisch gelöst – die neuen Kernel-Versionen mussten auch ihren Weg in die Linux Distributionen finden.

Wir haben in den Folgejahren genau beobachtet, welche Distributionen Y2K38-ready wurden – und welche nicht. Als Grundlage nutzten wir die Informationen von DistroWatch. Bei einigen Distributionen haben wir zusätzlich die Release Notes und offiziellen Webseiten geprüft. Um die Lage übersichtlich darzustellen, teilten wir die Distributionen in drei Gruppen ein:

Y2K38 Ready – Kernel ≥ 5.10, aktiv gepflegt
Y2K38 Bug – Kernel < 5.10, weiterhin im Einsatz
Y2K38 Death – Entwicklung eingestellt, keine Updates mehr

Ziel war keine vollständige oder fehlerfreie Liste, sondern eine quantitative Einschätzung. Wer den genauen Stand einer Distribution im Detail wissen will, sollte dies selbst prüfen – unsere Listen sind ein Ausgangspunk.

Aktueller Stand der Linux Distributionen

Seit Beginn unserer Beobachtung hat sich die Verteilung deutlich verschoben. Anfangs war noch ein großer Teil der aktiven Distributionen vom Y2K38-Bug im Kern betroffen. Über die Jahre sank diese Zahl stetig, weil immer mehr Maintainer ihre Systeme Y2K38-ready machten. Heute gehören praktisch alle aktiv gepflegten Distributionen in diese Kategorie.

Die Zahl der Y2K38 Death-Distributionen war von Beginn an hoch – und ist im Laufe der Jahre noch weiter gewachsen. Dabei handelt es sich um Systeme, deren Entwicklung eingestellt wurde und die nie einen sicheren Kernel erhalten haben. Diese bleiben bis 2038 verwundbar.

Im Anschluss folgen die Jahreslisten, in denen wir alle erfassten Distributionen den Kategorien Y2K38 Ready, Y2K38 Bug und Y2K38 Death zugeordnet haben.

Linux Distributionen (2025)

Y2k38 Ready
Y2k38 Bug
Y2k38 Death

Linux Distributionen (2024)

Y2k38 Ready
Y2k38 Bug
Y2k38 Death

Linux Distributionen (2023)

Y2k38 Ready
Y2k38 Bug
Y2k38 Death

Linux Distributionen (2022)

Y2k38 Ready
Y2k38 Bug
Y2k38 Death

Der Kernel ist gefixt – der Kern des Problems nicht

Ein aktueller Linux-Kernel ab Version 5.10 ist eine notwendige, aber keine ausreichende Voraussetzung für Y2K38-Sicherheit. Damit eine Distribution wirklich Y2K38-ready ist, muss auch der User Space angepasst sein – von der C-Library über Toolchain und Bibliotheken bis zu den Anwendungen.

Die meisten aktiv gepflegten Linux-Distributionen sind heute im Kern vorbereitet – vorausgesetzt, sie liefern Kernel ≥ 5.10 und die entsprechenden User-Space-Anpassungen aus, und diese Updates erreichen die Nutzer. Obsolete Distributionen und alte Systeme ohne Updates bleiben dagegen bis 2038 verwundbar.

Wer 2038 sicher sein will, muss sowohl Kernel als auch User Space prüfen und aktualisieren – oder auf ein 64-Bit-System bzw. eine aktiv gepflegte Distribution umsteigen. Alles andere ist eine Wette gegen die Uhr.

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